Handeln für die Schöpfung
Grün bewachsenes Gebäude
Fassadengrün am Assapheum, dem Gemeindehaus der Zions-Gemeinde in Bielefeld-Bethel. Foto: Heinrich Mühlenmeier

Kirchliche Gebäude im grünen Gewand

Lasst sie die Wände hoch gehen!

Efeu, Wilder Wein, Blauregen und andere Kletterpflanzen beleben Wände und Mauern und tragen dabei zum Erhalt der Biologischen Vielfalt bei. Gleichzeitig schützen die Kletterpflanzen die Gebäude vor Wärmeverlust und Witterungseinflüssen.

Selbst gemauerte Wände können zum Erhalt der Biologischen Vielfalt beitragen, und das mit einem geringen Kosten- und Materialaufwand. Mit Kletterpflanzen und Spalieren begrünt, bieten Fassaden und Mauern vielen Insekten, wie Bienen, Schmetterlingen, Marienkäfern und Ohrwürmern, einen Lebensraum. Für viele Vögel sind solche lebende Wände Nistplatz und mit ihren Blüten und Früchten auch Nahrungsquelle. Überdies sehen mit dichtem Blattwerk begrünte Fassaden und Mauern schön aus. Sie machen meist den Wechsel der Jahreszeiten erlebbar und sie binden Staub. Sie filtern Schadstoffe aus der Luft und schützen das Mauerwerk vor Witterungseinflüssen und Wärmeverlusten. Kletternde Gärten an Fassaden, Zäunen und Mauern sind grüne Oasen in Städten und Gemeinden.

Bei feuchtem Mauerwerk

Wenn die Fassade in Ordnung ist, richten auch die selbstkletternden Pflanzen keinen Schaden an. Wenn allerdings Risse, Spalten oder ein feuchtes Mauerwerk da sind, ist Vorsicht geboten, da die Triebe in die Ritzen hineinwachsen und mit ihrem Dickenwachstum auf die Dauer die Mauer sprengen können. Für solche Fassaden eignen sich besser Begrünungen mit Kletterhilfe.

Mit und ohne Klettergerüst

Die fassadenkletternden Pflanzen klettern entweder „freihändig“ an der Fassade hoch und halten sich dabei mit ihren Haftorganen direkt an der Mauer – das sind die so genannten Selbstklimmer – oder sie brauchen ein Klettergerüst mit 5 bis 15 cm Abstand von der Fassade, an dem sie hochranken. Die am häufigsten verwendeten Selbstklimmer sind Efeu und Wilder Wein.

Efeugrün klettert an Klinkerhauswand

Efeu

Foto: Karola Wiedemann

Rötlich gefärbter Wilder Wein rankt an Hauswand

Wilder Wein

Foto: Gudrun Kordecki

Blauregen, Kletterrose und Co.

Je nach Pflanze sind unterschiedliche Kletterhilfen notwendig. Schlinger, wie Geißblatt oder Blauregen, klettern mit ihren windenden und schlingenden Trieben an senkrechten dünnen Kletterseilen oder -drähten hoch. Ranker, wie Clematis, klammern sich mit ihren Blattstielen an Gitter mit senkrechten, waagerechten oder diagonalen Streben. Dies können beispielsweise Stahlmatten oder aus Dachlatten hergestellte Gerüste (zu Seite 2 scrollen) sein. Kletterrosen brauchen entweder Drähte oder ein Rankgerüst, an dem sie sich hochschieben können. Ihre neuen Triebe müssen regelmäßig in die gewünschte Richtung gebunden werden.

Rote Rosen an Holzspalier

Kletterrosen brauchen ein stabiles Rankgerüst.

Foto: Karola Wiedemann

Spalierobst und Weinreben an der Wand

Empfindliche und wärmeliebende Obstarten, wie Weintrauben, Pfirsiche, Aprikosen und Nektarinen, aber auch Äpfel und Birnen, gedeihen an geschützten Süd-, Südost- und Südwestwänden besonders gut. Die Reben werden hauptsächlich an waagerechten Drähten gezogen, das Kernobst braucht ein Holzlattengerüst.

Rebstock rankt an Spanndrähten entlang einer Wand

Zum Anbinden von Weinreben reichen waagerechte Spanndrähte.

Foto: Karola Wiedemann

an Hauswand rankender Rebstock mit blauen fast reifen Weintrauben

An den Spanndrähten entlang wachsen dann die Trauben.

Foto: Karola Wiedemann

Kletterhilfen

Für eine dauerhafte Begrünung müssen die Kletterhilfen langfristig stabil und witterungsfest sein und vor der Pflanzung angebracht werden. Spanndrähte eignen sich nur für Reben und schwachwüchsige Schlinger. Wenn mehr Gewicht auf der Rankhilfe lasten wird, sind rostfreie Drahtseile oder Edelstahlstäbe oder auch feuerverzinkte Baustahlmatten oder Holzgerüste aus heimischem Hartholz sinnvoll. Verankert werden die Kletterhilfen mit Dübeln und Messingschrauben und mit Abstandhaltern von mindestens 5 bis 15 cm Länge.

Welche Pflanze wo? 

Je nach Standort, Gebäude, Bausubstanz und gewünschtem Pflegeaufwand sind verschiedene Begrünungen (auf Seite 3 scrollen) möglich.

Große Süd- und Nordseiten begrünen

Wenn große, kahle Flächen, die weiter oben schwer zugänglich sind, zuwachsen sollen, wählt man am besten einen Selbstklimmer, wie wilden Wein oder Efeu. Wilder Wein eignet sich am besten für besonnte Süd- und Westseiten, da er volle Sonne und Trockenheit gut verträgt und weil er im Herbst die Blätter verliert und damit die Wintersonne das Gebäude ungehindert erwärmen kann. Immergrüner Efeu hingegen eignet sich besonders für die kühle und schattige Nordseite, ebenso die immergrüne Pfeifenwinde, die allerdings ein Rankgerüst benötigt.

Kleine Flächen begrünen

Wenn auch zwischen Fenstern begrünt werden soll, eignen sich beispielsweise Knöterichgewächse nicht, da sie sich gern über die Rankhilfe hinweg ausbreiten. Kleine Flächen werden am besten an Kletterhilfen mit schwachwüchsigen Arten, wie Geißblatt, begrünt. Clematis und Kletterrosen gedeihen am besten an einer windgeschützten Fläche.

Einjährige Kletterer

Wer keine dauerhafte Begrünung will, kann einjährige Wicken oder Kapuzinerkresse an der Wand ranken lassen.

Denkmalamt fragen

Bei Baudenkmälern müssen Begrünungen mit dem Denkmalamt abgestimmt werden. Falls die Kirche aus Denkmalschutzgründen nicht begrünt werden kann, eignen sich vielleicht andere Gebäude, wie zum Beispiel das Gemeindehaus, der Kindergarten oder Mauern und Zäune auf dem Friedhof, für ein grünes Gewand.

Förderung von Fassadengrün

Bei den Kommunen fördert das Grünflächenamt oft die Begrünung von Fassaden und stellt beispielsweise Pflanzen zur Verfügung.

So kann'S gehen