Handeln für die Schöpfung
Grabreihen mit Grasbewuchs dazwischen
Naturnah gepflegte Friedhöfe können sich zu einem Refugium für seltene Tier- und Pflanzenarten entwickeln. Foto: Heinrich Mühlenmeier

Friedhöfe, Orte des Lebens

Vergänglichkeit und blühendes Leben 

Friedhöfe sind Orte des Erinnerns und Gedenkens, aber auch Lebensraum – für Menschen, für Pflanzen und für Tiere. Je naturnaher sie angelegt und bewirtschaftet werden, umso mehr Arten können darin leben und umso attraktiver werden sie auch als Erholungs- und Naturerlebnisraum für die Besucherinnen und Besucher.

Zentraler Bestandteil des christlichen Glaubens ist die Hoffnung auf die Auferstehung und das ewige Leben nach dem Tod. Der Kreislauf der Vergänglichkeit und des blühenden Lebens von Tieren und Pflanzen auf naturnah angelegten Friedhöfen symbolisiert diesen Auferstehungsglauben auf eine ganz selbstverständliche und natürliche Art und Weise.

Kompost und Herbstlaub

Am Kompostplatz (auf Seite 3 scrollen) verwandeln Regenwürmer und Mikroorganismen abgestorbene Pflanzenreste in fruchtbare Komposterde für neue Pflanzen. Bis zum Frühjahr liegen gelassenes Herbstlaub auf den Gräbern zeigt symbolhaft den Kreislauf von Vergehen und Werden in der Natur und liefert wertvollen Humus.

Vielfältigste Lebensräume

Gleichzeitig bilden die vielen unterschiedlichen Kleinstandorte, wie Efeugräber, alte Familiengräber, Reihengräber, alte Friedhofsmauern, Rasen- und Wiesenflächen, Sträucher, alte Laubbäume und Wege, Wegränder und Plätze, ein eng verzahntes, kleinflächiges Mosaik unterschiedlichster Lebensräume, wie wir es ansonsten bei uns nur noch selten vorfinden. Hinzu kommt, dass viele Friedhofsbereiche relativ ungestört sind.

AlterGrabstein auf Frühlingsgwiese

Alter Friedhof

Foto: Gudrun Kordecki

Überleben und Entspannen  

Naturnahe Friedhöfe sind häufig die letzten Refugien und Überlebensmöglichkeiten für verschiedene Lebewesen und Pflanzen, darunter sehr oft seltene und bedrohte Arten. Für Besucherinnen und Besucher und Erholungssuchende ist dieser vielfältige Naturraum eine Oase der Entspannung, des Innehaltens, des stillen Gedenkens an liebe Verstorbene und auch der Naturerfahrung.

Eidechse und Zymbelkraut

Da sonnen sich Eidechsen und andere Reptilien auf der Krone oder in den Fugen einer uralten Natursteinmauer, daneben wurzeln seltene Fels- und Mauerfugenpflanzen, wie Finger-Steinbrech, Zymbelkraut und Mauerraute, und dort hämmert ein Specht laut hörbar an einem alten Baum. Im Frühjahr können Nachtigall, Amsel oder Kuckuck, die hier in alten Laubbäumen nisten und reichlich Insekten als Nahrung finden, mit ihrem Gesang die Gemüter erheitern.

Pflanze wächst aus einer Mauerfuge

Zymbelkraut

Foto: Gertrud Hein

Buschwindröschen und Schmetterlinge

Unter Laubbäumen kann im zeitigen Frühjahr ein weißes Blütenmeer von Buschwindröschen das Auge erfreuen - deren Ansiedlung hat eine schützende Decke von liegen gelassenem Herbstlaub gefördert -  während in der abendlichen Dämmerung seltene Fledermausarten durch die Luft schwirren. In eher ungepflegten Ecken mit so genannter Spontanvegetation mit Wildkräutern kann man oft viele verschiedene, auch vom Aussterben bedrohte, farbenfrohe Schmetterlinge beobachten.

Weiße Blüten unter Bäumen

Buschwindröschen

Foto: Wili Rolfes

Bedrohte Moose und Flechten

Auch viele Flechten und bis zu 60 teilweise vom Aussterben bedrohte Arten von Moosen können im Schutz eines naturnah geführten und parkartigen Friedhofs an Mauern, an Grabsteinen, an Borken von Bäumen, in Waldresten, auf Wiesenflächen, auf Wegen und Wegrändern und an anderen offenerdigen Stellen ihren Lebensraum finden. Insbesondere die vom Aussterben bedrohten Gesteinsflechten finden an Grabsteinen ihren Lebensraum.  

Gelb bewachsener alter Grabstein

Grabstein mit Gesteinsflechten bei Meckenheim im Rhein-Sieg-Kreis.

Foto: Dr. Udo Wallraf / Some rights reserved/ Quelle: bilder.erzbistum-koeln.de

Auf parkartigen Friedhöfen wachsen oft an Borken von Bäumen seltene Moose und Flechten.

 

Bäume

Großwüchsigere Bäume (über 20 m), wie zum Beispiel Linde, Buche, Eiche und Esche, eignen sich eher für die Randbereiche und als Solitärbäume, kleinere Bäume (10-15 m), wie zum Beispiel  Feldahorn, Hainbuche und Vogelkirsche, sind entlang der Wege als Alleen und zur Gliederung der Grabfelder gut platziert. Diese heimischen Gehölze  bieten Igeln, Insekten, Vögeln und Co. Unterschlupf, Brutplatz und reichlich Nahrung. Höhlenbrütende Vögel und Fledermäuse können in alten Bäumen wohnen. Die Bäume auf dem Friedhof und auch oberflächliche Wurzeln müssen regelmäßig überprüft werden, um Unfallgefahren zu vermeiden.

Blick von unten in das Blätterdach zweier Bäume

Foto: Willi Rolfes

Wasserdurchlässige Wege

Eine möglichst geringe Versiegelung von Wegen und Plätzen (z.B. Kies-, Schotter- oder Rasenwege) schützt das Bodenleben und auch den Wasserhaushalt.  

Grabreihen zwischen Graswegen und Bäumen

Wenig genutzte Wege auf Friedhöfen können als Rasenwege angelegt werden ...

Foto: Heinrich Mühlenmeier

gepflasterter Weg neben Hecke und Friedhof

… etwas mehr begangene Wege mit einer Pflasterung.

Foto: Gudrun Kordecki

Natursteinmauern sind Lebensraum

Friedhofsmauern aus Natursteinen bieten speziellen Tieren und Pflanzen eine Wohnstätte. Von daher ist es wichtig, sie zu erhalten und neue aufzubauen.  

Zusätzliche Nisthilfen

Außerdem kann man Nisthilfen für Vögel, Fledermäuse und Insekten aufhängen und damit zusätzlich die Besiedlung des Friedhofs mit Tieren und Pflanzen fördern. Das Fertigen solcher Nisthilfen ist beispielsweise für Messdiener- oder Konfirmandengruppen eine gute Aktion.

verschiedene Nistkästen aus Holz an einer Holzwand

Nisthilfen für Insekten und Fledermäuse.

Foto: Gertrud Hein

So kann'S gehen