Handeln für die Schöpfung
Admiral-Schmetterling auf Buddleja-Blüte

Admiral am Sommerflieder (Buddleja) Foto: Karola Wiedemann

Insekten

Ganz klein und ganz wichtig

Die Welt der kleinen Insekten ist die artenreichste, aber auch gleichzeitig die am stärksten vom Verlust der Biologischen Vielfalt betroffene Klasse der Lebewesen auf unserem Planeten. Libellen, Schmetterlinge, Bienen und Co. verschwinden immer mehr mit dramatischen Folgen.

Praktisch ist es zunächst schon, wenn die Windschutzscheibe nach einer Autobahnfahrt meist nicht mehr von Insektenresten befreit werden muss - vor 30 Jahren war dies in der Regel notwendig. Allerdings zeigt diese Entwicklung hautnah, dass die Insekten immer mehr verschwinden.

Mehr als 75 Prozent Verlust

Der Naturschutzbund (NABU) berichtet über eine Langzeituntersuchung, die zeigt, dass in Nordrhein-Westfalen seit 1989 die Insekten, gemessen an ihrer Biomasse, um mehr als 75 Prozent zurückgegangen sind. Die Insekten sind die artenreichste Klasse in der Tierwelt, so dass ihr rapider Bestandsrückgang, sich auf die Biologische Vielfalt insgesamt sehr negativ auswirkt.

Dramatische Folgen

Die Folgen für das Ökosystem und auch für die Nahrungsmittelproduktion können sehr dramatisch sein: Denn vielen insektenfressenden Vögeln und Reptilien geht damit immer mehr die Nahrungsgrundlage verloren. Auch im Garten und im biologischen Landbau fehlen dann Insekten als Nützlinge, die beispielsweise unliebsame Blattläuse fressen und so für ein ökologisches Gleichgewicht sorgen. Insekten wie Marienkäfer ernähren sich von Blattläusen und helfen, wenn Rosen und Co. von diesen Schädlingen befallen werden.

Insekten sorgen für uns

Doch damit nicht genug. Es kann noch schlimmer kommen: Wenn keine Insekten mehr fliegen und die Blüten bestäuben, wachsen aus den Blüten von Pflanzen weder Früchte noch Samen für die Ernährung von Mensch und Tier. Und es fehlen dann auch die Samen für neue Pflanzen.
Unsere Lebensmittel bestehen jedoch aus Früchten von Bäumen und Sträuchern, aus Samenkörnern, aus Teilen von Pflanzen, die wir gesät haben, und aus Produkten von Tieren, die vor allem mit Getreidekörnern und anderen Feldfrüchten gefüttert wurden. Damit ist auch der Mensch mit seiner Ernährung auf die Insekten existentiell angewiesen.

Die gesamte Nahrungsmittelproduktion ist auf Insekten angewiesen. Nur Pflanzen, die bestäubt werden entwickeln Samen und Früchte.

 

Beispiel China

Was es für die Nahrungsmittelproduktion bedeutet, wenn beispielsweise keine fleißigen Bienen mehr bestäuben, ist in Teilen Chinas heute schon Wirklichkeit: Dort muss teilweise von Menschenhand künstlich bestäubt werden, damit die Pflanzen Früchte ansetzen.

Insektenvielfalt

Die meisten Insekten leben im Boden, bodennah und an Pflanzen. Ganz besonders viele Arten leben in den tropischen Regenwäldern.
Die Größe der Insekten reicht von der kleinsten 0,15 mm langen Zwergwespe bis hin zu der bis zu 30 cm langen Stabheuschrecke. Zu den Insekten gehören unter anderen Libellen, Schmetterlinge, Mücken, Bienen, Wildbienen, Hummeln, Hornissen und Käfer. Damit sie überleben können, brauchen sie eine Futtergrundlage und ihren Lebensraum.

Heimische Wildpflanzen stärken die Insektenvielfalt.

 

Feuchtwiesen, Trockenrasenstandorte und alte Laubbäume sind besonders wertvolle Lebensräume für Insekten

 

Schmetterlinge beobachten

Schmetterlinge lassen nicht nur im Bauch Herzen höher schlagen. Wer sie gerne beobachten und ihnen Lebensraum schenken will, kann besonders schmetterlingsfreundliche Pflanzen kultivieren. Diese haben zwar nicht immer die prächtigsten Blüten, dafür aber viel Besuch von farbenfrohen Faltern und deren Raupen zum Beobachten und Erfreuen. Eine solche schmetterlingsfreundliche Pflanze ist beispielsweise der Sommerflieder Buddleja, der deshalb auch umgangssprachlich Schmetterlingsstrauch genannt wird. Seine Blüten werden gerne von Schmetterlingen besucht.

Heimische Wildkräuter blühen zwar teilweise nicht so farbenprächtig wie exotische Pflanzen, locken aber bunte Schmetterlinge an.

 

Bienenweiden

Wer fleißige Bienen anlocken und deren Summen im Garten erleben will, kann gezielt Pflanzen mit besonders honigreichen Blüten so genannte Bienenweiden, die im Frühjahr und Frühsommer;  oder im Sommer und Herbst blühen, pflanzen. Weidenkätzchen sind die ersten Bienenweiden im Frühjahr. Sie stehen deshalb unter Naturschutz und dürfen in der freien Landschaft nicht abgeschnitten werden.

Honigbienen sind wichtig für die Förderung der Biologischen Vielfalt.

 

Totholz und Steinhaufen

Eine sehr einfache Möglichkeit, Insekten und darunter auch vielen Nützlingen im Garten Raum zu bieten, ist abgeschnittenes und bewusst liegen gelassenes Holz oder ein Steinhaufen. Ein Zuhause finden Insekten überdies auch in abgestorbenen Ästen von Bäumen, die absichtlich nicht abgesägt werden. Das geht natürlich nur, wenn die Äste Vorbeigehende nicht gefährden.

Insektenhotels

Eine andere Möglichkeit, die gleichzeitig auch junge Menschen für den Naturschutz sensibilisiert und begeistert ist, mit der Konfirmanden- oder Messdienergruppe aus Holz oder Tonziegeln so genannte Insektenhotels zu bauen – für den Pfarrgarten oder zum Mitnehmen in den elterlichen Garten. Beim Bau von Insektenhotels für Wildbiene und Co. werden in Tonziegel oder Holzscheiben Löcher gebohrt oder Binsenstücke aufeinander gestapelt. Wichtig ist immer ein Regenschutz. Für den Bau von Wildbienenhotels lohnt sich der Kauf von Bausätzen.

Da der Lebensraum für Insekten so knapp geworden ist, kann man zusätzlich Insektenhotels aufstellen oder aufhängen.

 

Unterschlupf für Blattlausfresser

Noch einfacher kann man aus der Gruppe der Fluginsekten blattlausfressende Ohrwürmer anlocken und ihnen einen Unterschlupf bieten: Tontöpfe mit Holzwolle füllen und mit Kontakt zum Stamm oder Ast in die Nähe von Blattlauskolonien hängen.

Tontopf kopfüber aufgehängt als Hotel für Ohrwürmer

Mit Holzwolle gefüllter Tontopf lockt blattlausfressende Ohrwürmer an.

Foto: Karola Wiedemann

So kann'S gehen