Handeln für die Schöpfung
Bunte Blumenwiese. Foto: G. Hein

Foto: Gertrud Hein

SO KANN´S GEHEN

In nächster Nähe zum Kölner Hauptbahnhof ist ein Refugium für schattenliebende Waldpflanzen entstanden und zugleich ein Ort der Erholung und Entspannung.

Was oft stört, wird hier für die Biologische Vielfalt und gleichzeitig zum Wohl der Menschen genutzt. Aufgrund der fast dauerhaften Verschattung durch die hohen Bürogebäude und eine Kirchenmauer hat das Erzbistum Köln bei der Umgestaltung des Innenhofs der Liturgieschule des Erzbistums (ca. 200 m Luftlinie zum Kölner Dom) mit einer naturnahen Bepflanzung eine kleine Waldlichtung und ein heimisches Waldbiotop angelegt.

Dort wächst jetzt, was sonst unter Bäumen im Wald gedeiht und in der natürlichen Landschaft immer weniger seinen Lebensraum findet. Das Konzept der Bepflanzung bietet einheimischen Gewächsen eine neue Heimat in der Großstadt. So wächst auf einem Teil der Innenhoffläche ein kleiner Wildblumenstreifen, der im Sommer einige Sonnenstunden hat. In nächster Nähe dazu hängt eine kleine Wildbienennisthilfe aus Holz, die optisch mit der Kirchenmauer harmoniert. Im größeren, vollständig beschatteten Teil des Innenhofs wurden eine Hecke und ein kleiner Teich angelegt. Am Zulauf des Teichs plätschert im Sommer munter ein Wasserspiel, das die Großstadtgeräusche angenehm in den Hintergrund drängt. Der Fahrradunterstand daneben hat eine Vollschatten-Dachbegrünung. Sitzplätze aus Naturholz laden zum Verweilen ein. Um all dies herum wachsen heimische Arten, wie Haselwurz, Goldrute, Farne, Engelwurz, Ochsenauge, Glockenblumen, Braunwurz, Salomonsiegel, Storchschnabel, waldtypische Gräser und jede Menge Walderdbeeren für Naschkatzen. Der Teich inmitten der bodendeckenden Pflanzen gliedert an den Rändern auch feuchteliebende Pflanzen, wie Bachnelkenwurz, Mädesüß, Sumpfdotterblume, kriechenden Günsel und Wasserminze, ein. Der Teich selber beherbergt sogar eine Mini-Seerose. Er wird gespeist aus dem Regenwasserzulauf einer angrenzenden Dachfläche, so dass er die meiste Zeit des Jahres ohne Fremdwasserzufuhr auskommt. In einer Ecke wartet ein kleiner Vogelnistkasten auf den Einzug eines Meisenpärchens. In sechs Pflanzkästen aus Naturholz gedeihen Gewürzpflanzen, Wildkräuter und Erdbeeren. An mehreren Stellen wachsen Gestaltungselemente aus Efeu heran, das in einem abgedunkelten Bereich unter Bäumen nicht fehlen darf. Damit diese viel Atmosphäre ausstrahlende Pflanze nicht den gesamten Hof überwuchert, wird sie sorgsam in Schach gehalten und zu optisch reizvollen Kleinelementen entwickelt. Hier wurde mitten in der Großstadt ein perfektes Naturidyll für Pflanzen, Tiere und Menschen geschaffen.

Ergänzt wird die Bepflanzung mit zahlreichen alten Steinstücken aus Renovierungsarbeiten am Kölner Dom. Die Steinstücke wurden nach der Entnahme aus der Kathedrale in den Garten überführt und erhielten so eine neue Funktion. Besonders eine senkrecht installierte Rundsäule beeindruckt den Betrachter oder die Betrachterin. Den Blick auf die großen Ventilatoren der Lüftungsanlage des Nachbargebäudes verhindert ein Sichtschutz aus Holzstöcken, eine Art Holzmauer, an der Rückseite des Geländes. Ein alter Brunnen bildet das optisch ansprechende Zentrum des Gartens. Zwischen den Pflanzen stehen die sechs leuchtend roten Buchstaben des griechischen Worts „EIPHNH“ für „Frieden“. Die Negativplatte dazu mit den Ausstanzfeldern der Buchstaben dekoriert den angrenzenden Zaun.

Wen wundert’s da, dass die Naturoase von den Mitarbeitenden des Kölner Generalvikariates gerne als Pausengarten genutzt wird. Denn insbesondere in den Sommermonaten ist die Waldlichtung eine grüne Ruhezone in der turbulenten Umgebung des Kölner Doms und Hauptbahnhofs.

 

 

Die Schattenidylle mit heimischen Waldpflanzen lädt zum Verweilen ein. Foto: Erzbistum Köln/Thomas Munns



Ungewöhnliche Schattenpflanzengesellschaft im Herzen der Großstadt Köln